Am Meer


Blick über die Düne am Nothafen Prerow, November 2016
Blick über die Düne am Nothafen Prerow, November 2016
Strandganove am Weststrand, November 2016
Strandganove am Weststrand, November 2016

Die Darßer Ostseeküste ist nicht nur sehr lang, sondern auch außerordentlich vielgestaltig. Während der Nordstrand bei Prerow genauso wie der Strand in Richtung Zingst vor allem den Touristen vorbehalten ist und irgendwie sehr aufgeräumt wirkt, beeindruckt der Weststrand mit seiner Ursprünglichkeit, die eindrucksvoll deutlich macht, wer hier das Sagen hat - nämlich einzig und allein die Natur. Wind und Wasser sind die kreativen kraftvollen und beständigen Gestalter dieser Landschaft. Okay, abgesehen vom Müll, den die Wetter an den Strand tragen und jenen Badegästen, die sich im Sommer Windburgen aus Treibholz bauen, um sich dahinter in der Sonne zu aalen.

 

Umgestürzte Bäume säumen den Übergang vom Strand zum Wald, altes und junges Treibholz ziert den Strand, türmt sich nicht selten zu hölzernen Bauwerken auf, die den schwarz gefiederten Strandganoven - einer Kolkrabenfamilie - als Beobachtungsposten dienen. Aufmerksam und überaus neugierig beobachten sie jeden, der den Strand entlang schlendert. Dabei interessiert sie nicht nur, ob etwas Essbares hinterlassen wird. Auch das, was unsereiner näher in Augenschein nimmt, zieht sie magisch an. Kaum ziehen wir weiter, landen sie genau an der Stelle, wo wir uns vielleicht nur einen Stein oder eine Muschel angesehen haben und nehmen das Objekt unserer ehemaligen Begierde genau in Augenschein. Kolkraben entgeht nichts!

Steinkerne von fossilen Seeigeln, 19.11.2016, Weststrand/Darß
Steinkerne von fossilen Seeigeln, 19.11.2016, Weststrand/Darß

Und hier am Weststrand kann man dann auch die berühmten Windflüchter sehen, die in keinem Reiseführer über den Darß fehlen und so manchem Hotel oder Restaurant als Namensgeber dienen. Postkarten, Gemälde, Bücher, Leinenbeutel, Kaffeetasse - kein Medium über den Darß ohne die vom Westwind in eine Richtung verbogenen Überlebenskünstler, die jeglichem Sturm trotzen. Respekt vor so viel Kraft und Lebenswillen. Erstaunlich, wie die Bäume das hinbekommen. Und dass das überhaupt möglich ist, denn neben dem Wind machen den Bäumen genauso wie allen anderen Pflanzen in Strandnähe auch Sandverwehungen und Überflutungen zu schaffen.

 

Die Winde sind es übrigens auch, die uns Strandwanderern manchmal ganz besondere Funde bescheren: Bernstein oder versteinerte Seeigel. Wobei es den Erstgenannten nur bei einem steifen Ost- oder Nordost, an den Strand verschlägt. Vorzugsweise im Winter, wenn das Wasser kalt ist und den Bernstein aufgrund seiner geringen Dichte besonders gut ans Ufer trägt. Wer also in den Wintermonaten auf dem Darß weilt, sollte seine Augen auf einem Strandspaziergang noch weiter aufmachen als sonst - vielleicht tritt er den Rückweg mit Jackentaschen voller Ostseeschätze an.