Pflanzen auf Rügen - Wälder


Artenreicher Buchenwald auf dem Jasmund
Artenreicher Buchenwald auf dem Jasmund

Tja. Bei diesem Thema kommt meinereine natürlich nicht umhin, etwas über den Buchenwald zu schreiben. Nicht nur, weil insbesondere die kalkhaltigen Buchenwälder Rügens mit einer ungeheuren Artenvielfalt aufwarten und der Blütenteppich im Frühling an manchen Stellen einfach unglaublich ist. Seltene Arten wie das Weiße Waldvögelein, das Große Zweiblatt oder die Zwiebeltragende Zahnwurz gedeihen hier neben Wald-Schlüsselblume oder Wald-Sanikel sowie ungezählten anderen Pflanzen. Der Hauptgrund dafür, dass die Buchenwälder am Anfang des Textes Erwähnung finden, ist, dass meine Lieblingsinsel seit 2011 ein UNESCO-Weltnaturerbe sein eigen nennt. Ein kleiner, für die Öffentlichkeit nicht zugänglicher Teil des Buchenwaldes im Nationalpark Jasmund, darf sich aufgrund seiner Einzigartigkeit mit diesem Titel schmücken. Auch wenn das Weltnaturerbe selbst nicht begehbar ist: Da sich im kleinsten Nationalpark Deutschlands der flächenmäßig größte Buchenwald an der Ostseeküste befindet, steht genügend Wald zum Erleben und Bestaunen zur Verfügung. Ein ebenfalls beeindruckender Buchenwald befindet sich in der Granitz zwischen Binz und Sellin, in der auch andere Waldtypen vorkommen. Aufgrund der fehlenden Kreide sind kalkige Gebiete in der Granitz eher selten, so dass die dortige Flora nicht derart artenreich ist wie die auf dem Jasmund. Eine Wanderung durch die Granitz zwischen Binz und Sellin ist aber schon aufgrund der riesigen Buschwindröschen-Teppiche im Frühling und der grandiosen Ausblicke bis hinüber nach Sassnitz ein tolles Erlebnis. Wer noch ältere Wanderkarten besitzt und mit dem darin verzeichneten Hochuferweg liebäugelt, dem sei gesagt, dass es ihn aufgrund der vielen Küstenabbrüche nicht mehr gibt. Der Weg wurde aus Sicherheitsgründen sehr weit in den Wald hinein verlegt und führt nur ein relativ kurzes Stück die Küste entlang, aber das nur am Rande.

Weißes Waldvögelein in einem Jasmunder Buchenwald über Kalk
Weißes Waldvögelein in einem Jasmunder Buchenwald über Kalk

Übrigens: Allen, die sich mal ganz andere Waldeindrücke als die mit den Füßen auf dem Boden gönnen wollen, sei der Besuch des "Naturerbe Zentrums Rügen" bei Binz empfohlen. Ein barrierefreier Baumwipfelpfad führt durch die Welt des Buchenwaldes vom Boden bis zu den Baumkronen. Am Ende steht man auf einem 40 Meter hohen Turm mit phantastischer Aussicht. Der über einen Kilometer lange, bequem zu bewältigende, barrierefreie Baumwipfelpfad wird nicht nur von beeindruckenden Einblicken in die Welt der Bäume begleitet, sondern auch von diversen Tafeln, auf denen über das Leben im Wald informiert wird. Gesagt sei, dass der Besuch dieser wirklich interessanten Einrichtung leider kein billiges Vergnügen ist (Eintrittspreise, Parkgebühren, Besuch von Lokalitäten, Verkaufsstände gibt es auch). Bitte informieren Sie sich auf der entsprechenden Internetseite über die Angebote auf dem Gelände, die Eintrittspreise sowie Öffnungszeiten. Letztendlich lassen sich Rügens Wälder genauso gut auf die ganz normale Art und Weise erleben, auch wenn der Blick in die Baumkronen nicht auf Augenhöhe, sondern vom Boden aus erfolgt. In manchen Wäldern wähnt man sich wegen der hügeligen, eiszeitlichen Hinterlassenschaften oder ehemaliger Steilufer der Ostsee, die vor ca. 6000 Jahren entstanden sind, wie im Mittelgebirge. Läuft man auf einem solchen ehemaligen Meeresufer, den Litorina-Kliffs (benannt nach einer Muschel), entlang, rücken die Baumkronen der weiter unten stehenden Bäume außerdem auch auf einem bodenständigen Waldspaziergang in eine erlebbare Nähe.

Weiße Buschwindröschen am Göhrender Litorinakliff
Weiße Buschwindröschen am Göhrender Litorinakliff

Wenn man ein Litorina-Kliff nebst Wald erleben möchte, empfiehlt sich eine Wanderung von Göhren zum Herzogsgrab. Hier führt der Weg zunächst am Fuß des beeindruckenden, ehemaligen Kliffs entlang und später quasi auf dem Hochufer. Am Wegesrand begegnen einem hier je nach Jahreszeit und Waldtyp Hain- und Große Sternmiere, Goldnessel, Weiße Buschwindröschen, Hain-Wachtelweizen, Maiglöckchen, Vielblütige Weißwurz, Bach- und Echte Nelkenwurz, Knotige Braunwurz und und und. Egal, ob Buchenwald, Laubwald, Laubmischwald, Dünenkiefernwald ... -  auf Rügen sind nahezu alle Waldtypen mit ihrer ganz eigenen Pflanzenwelt vertreten. Welche Pflanzen in welchem Wald wachsen, hängt stets von der Bodenbeschaffenheit und dem Wasserhaushalt sowie den Temperaturverhältnissen ab. Mein Anliegen ist es jedoch nicht, hier einen Kurs über verschiedene Waldtypen zu präsentieren - dazu weiß ich zu wenig darüber. Und: Ja, Bäume und Sträucher sind ebenfalls Pflanzen des Waldes und unter ihnen gibt es Selten- und Besonderheiten, zum Beispiel die Wildkirschen auf dem Jasmund oder die stattliche, uralte Buche am Mönchguter Herzogsgrab. Ein unglaublich schöner Baum, den ich in jedem Urlaub besuche und in mein Herz geschlossen habe. Leider ist es mir unmöglich, hier auf alle Waldgewächse einzugehen. Bäume, Büsche, Moose, Farne, Gräser, Frühblüher, Orchideen und und und. Der Wald ist ein vitales Universum, das nicht umsonst Unmengen von Büchern sowie Filme über sein mehr oder weniger geheimes Leben füllt. Für meine Homepage wäre das zu viel des Guten, obwohl natürlich alles interessant ist. Absolut. Zumal ich den Wald liebe. Im Wald bin ich ein zufriedener Mensch. Der Anblick der Baumpersönlichkeiten, der vielen krautigen Pflanzen, Blüten und Früchte, das Spiel von Licht und Schatten, Gerüche und Geräusche - faszinierend und erholsam zugleich. Wunderbar.

Hohler Lerchensporn, Weiße Buschwindröschen und Scharbockskraut am Lotsenberg
Hohler Lerchensporn, Weiße Buschwindröschen und Scharbockskraut am Lotsenberg

Im Folgenden werde ich einige Pflanzen zeigen, die mir auf meinen Wanderungen durch die Rügener Wälder begegnet und die mir bekannt sind. Nicht mehr und nicht weniger. Neben den Wäldern auf dem Jasmund und in der Granitz eignen sich die Waldgebiete des Nordperds bei Göhren sowie die der Baaber Heide zwischen Baabe bzw. Göhren und dem Herzogsgrab in der Nähe des Fliegerberges hervorragend zum Entdecken der Pflanzenwelt. Hohler Lerchensporn, Weißes Buschwindröschen und Leberblümchen haben auf dem Nordperd ein Auskommen; an einigen wenigen Stellen blüht die Ährige Teufelskralle, hier und da die Vogel-Nestwurz, bei der es sich um eine Orchidee ohne Blattgrün handelt. Ist man im Frühling am Lotsenberg bei Thiessow lohnt sich ein Blick in den kleinen Laubwald, der in der Nähe des Strandcafés beginnt. Hier wachsen Hohler Lerchensporn, Gelbe und Weiße Buschwindröschen sowie Scheiden-Gelbstern, Scharbockskraut und andere Schönheiten. Als letztes seien noch die Dünenkiefernwälder der Schaabe erwähnt, in denen sich mit seltenen Bärlappgewächsen, Echter Rentierflechte, verschiedenen Wintergrünarten und anderen Pflanzen der Braundünen eine ganz andere Flora als in den bisher genannten Wäldern entwickelt hat. Und der sogenannte Märchenwald auf Wittow bei Nonnevitz, in welchem Wind und Wetter wirklich märchenhafte Baumgestalten hervorgebracht haben. Ein botanisch interessantes Waldgebiet gibt es außerdem an der Boddenküste zwischen Seedorf und Moritzdorf, in dem zum Beispiel Weiße Schalbenwurz und Besenginster gedeihen. Egal, in welchem Wald Sie sich rumtreiben: Es gibt immer und überall etwas zu sehen und zu erleben. Viel Spaß dabei!

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