Das wunderschöne Grauen der Buchsbaumbesitzer - der Buchsbaum-Zünsler

Buchsbaum-Zünsler (Cydalima perspectalis), 08.08.2018, Staaken/Berlin
Buchsbaum-Zünsler (Cydalima perspectalis), 08.08.2018, Staaken/Berlin

Tja, Migration - der Motor der Artenvielfalt auf unserem wunderbaren Planeten - hat viele Gesichter und Gestalten. Manchmal hat sie Flügel und kommt als Schmetterling daher, nämlich als Buchsbaum-Zünsler (Cydalima perspectalis). Wunderschön anzusehen und trotzdem für jeden Buchsbaumbesitzer das Grauen schlechthin.

 

2006 kam er mit in Südostasien gezogenen Buchsbäumen in Deutschland an und hat es mittlerweile bis nach Berlin und noch ein Stück weiter geschafft. Der heiße, trockene Sommer 2018 bot ihm hervorragende Bedingungen, denn Temperaturen um die 30 Grad sind das, was ein Buchsbaum-Zünsler mag und braucht. Noch nie zuvor habe ich in Staaken derart viele von ihnen gesehen. Mit seinem dunkelbraun-weiß gefärbten und seidig schimmernden Flügelkleid ist der Buchsbaum-Zünsler eine ausgesprochen schöne Erscheinung. Und obwohl er eine Flügelspannweite von bis zu 45 mm erreichen kann, wirkt er grazil und elegant. Tagsüber verbirgt er sich gern unter Blättern, die nicht zu einem Buchsbaum gehören, sitzt aber auch reglos an Hauswänden. Bei der Nahrungssuche oder wenn er aufgescheucht wird, entpuppt er sich als flotter Flieger, dem man kaum nachstellen kann. Wovon sich die Falter ernähren, darüber ist in der Literatur so gut wie nichts zu finden. In den vergangenen Wochen habe ich jedoch mehrere Buchsbaum-Zünsler an den Blüten verschiedener Steinquendelarten sowie denen der Katzenminze Nektar saugen sehen.

Befallener Buchsbaum-Busch, 10.08.2018, Staaken/Berlin
Befallener Buchsbaum-Busch, 10.08.2018, Staaken/Berlin

Sooo. Das waren die positiven Informationen, wenn man so will. Denn die geflügelte Schönheit wird in Gärten, Parkanlagen oder Friedhöfen mit Buchsbäumen gar nicht gern gesehen und beschert so manchem Gartenbesitzer schlaflose Nächte. Dort, wo die nur ca. acht Tage lang lebenden Weibchen auftauchen, sehen Buchsbäume innerhalb kurzer Zeit nämlich so aus wie der auf dem nebenstehenden Foto. Das Weibchen legt um die 150 Eier und das ausnahmslos an Buchsbäumen. Nach gerade mal 3 Tagen schlüpfen die Raupen und machen sich über den bis dahin satt grünen Busch her. Gelbe Blättchen und diverse feine Gespinste dazwischen sind ein erster Hinweis darauf, dass ein Buchsbaum-Zünsler-Weibchen den Weg in den eigenen Garten gefunden hat. In heißen, trockenen Sommern können  bis zu vier Generationen das Licht der Welt erblicken. Manchmal überwintert die letzte Generation als Räupchen in einem festen Kokon und bei entsprechenden Temperaturen bereits früh im Jahr an den immergrünen Gewächsen ihr Werk tun.

 

Die Ratschläge dafür, was man bei einem Befall tun kann, reichen vom Absaugen der Raupen mit dem Staubsauger bis hin zum Einsatz von Chemie. Der Einsatz von Chemie sollte sich meiner Meinung nach von selbst verbieten - im Interesse all der anderen Gartenbewohner und im eigenen, denn Chemie ist für niemanden gut. Ein Trost könnte sein, dass sich die Buchsbäume nach einem kräftigen Rückschnitt manchmal erholen. Manchmal wohlbemerkt. Und eine Garantie, dass die Buchsbaum-Zünsler ihn im Folgejahr in Ruhe lassen, gibt es ebenfalls nicht.

Raupe des Buchsbaum-Zünslers (Cydalima perspectalis), 02.09.2018, Staaken/Berlin
Raupe des Buchsbaum-Zünslers (Cydalima perspectalis), 02.09.2018, Staaken/Berlin

An dieser Stelle sei gesagt, dass wir die Einwanderung des Buchsbaum-Zünslers unserem Geiz zu verdanken haben. Einem Geiz, der dazu führt, billige Pflanzenware aus dem Ausland zu kaufen, um ein paar Euro zu sparen. In einer hiesigen Gärtnerei herangezogene Buchsbäume hätten aufgrund des Arbeitsaufwandes zwar mehr gekostet als der Busch aus Südostasien, aber der Buchsbaum-Zünsler hätte halt nicht darin gesessen. Auch sollten sich sowohl Gartenbesitzer als auch die für Grünanlagen zuständigen Behörden fragen, ob es denn wirklich Buchsbaum sein muss, der unsere Augen "verwöhnt", sieht man mal von historischen Garten- oder Parkanlagen ab. Ein Buchsbaum bietet keinerlei Nahrung für Insekten oder Vögel. Er dient höchstens dann und wann als Nistplatz, nicht mehr und nicht weniger. Es gibt diverse Gehölze, auch immergrüne wie Liguster oder Eibe, die locker an seine Stelle treten können und mit ihren Blüten sowie Früchten einen wichtigen Beitrag für unsere tierischen Mitbewohner darstellen.

 

Apropo tierische Mitbewohner: Obwohl Buchsbäume über 70 verschiedene Giftstoffe enthalten, die sich in der Nachkommenschaft der Buchsbaum-Zünsler einlagern, haben Vögel wie beispielsweise die Blaumeise oder der Spatz über die Zeit die Raupen des Falters für sich als Nahrungsquelle entdeckt. Wer in seinem Garten eine artenreiche Vogelwelt hat, dürfte über kurz oder lang deshalb weder Chemie noch einen Staubsauger für das Beseitigen des Befalls benötigen, wenn er weiterhin seiner Buchsbaumleidenschaft frönen möchte. Auf einem meiner Spaziergänge habe ich außerdem beobachten können, dass Buchsbaum-Zünsler auch von Spinnen nicht verschmäht werden. Wie auf den unteren Fotos zu sehen ist, haben zumindest Kreuzspinnen kein Problem mit ihnen. Für naturinteressierte Menschen wie mich ist der Buchsbaum-Zünsler übrigens ein Highlight, lässt er mich doch Evolution quasi live erleben, was die Anpassungsfähigkeit der einheimischen Vogelwelt und Spinnentiere angeht.

 

PS: Mehr Fotos und Informationen über die wunderbare Welt der Schmetterlinge gibt es in der Rubrik "Verwandlungskünstler".

Kommentare: 9
  • #9

    elena12 (Freitag, 29 März 2019 15:33)

    Die gefräßigen Raupen dieses Viehs haben am Grab meiner Eltern die ganze Umgrenzung kaputt gemacht. Schrecklich. Man sollte einmal mit ner richtigen Chemiekeule drübergehen und gut ist. Unglaublich, dass es Leute gibt, die solcher Viecher gut finden. Schönen Tag noch.

  • #8

    Marion (Donnerstag, 27 September 2018 16:10)

    Hallo besucherin! Danke für Dein Interesse und Deinen Beitrag. Ja, die Falter halten sich nicht auf Buchsbäumen auf. Die Weibchen suchen sie nur zur Eiablage auf.

  • #7

    besucherin (Mittwoch, 26 September 2018 12:39)

    Diesen Schmetterling habe ich schon oft gesehen, obwohl ich keine Buchsbäume im Garten habe. Er sieht sehr schön aus. Die Kreuzspinne ist eklig. Ich verstehe nicht, wie man solche Tiere interessant finden kann. Und auch noch photographiert.

  • #6

    W2018 (Freitag, 21 September 2018 15:15)

    Hallo, dieser Schmetterling hat in diesem Jahr wiklich große Schäden angerichtt. Meine Buchsbaumhecke kann ich vergessen. Aber was soll man machen, wenn man nich auf Chemie setzen will. Es stimmt übrigens, dass Vögel die Raupen frssen. Ich habe es selbst gesehen. Aber es waren einfach zu viele.

  • #5

    Marion (Dienstag, 11 September 2018 14:56)

    @keinname

    Selbstverständlich bleibt es jedem selbst überlassen, was er in seinem Garten macht. Und: Danke schön, dass Du den Artikel trotz erhobenem Zeigefinger gelesen hast.

  • #4

    keinname (Montag, 10 September 2018 13:01)

    Hallo. Ich mag blogs mit erhobenen Zeigefinger nicht. Von wegen keine chemie, keine Buchsbäume und so. ist doch jedem seine Sache.

  • #3

    Marion (Dienstag, 04 September 2018 16:29)

    Herzlichen Dank für eure netten Einträge. Es freut mich zu hören bzw. zu lesen, dass der Blogartikel über den Buchsbaum-Zünsler euer Gefallen findet. Staaken01: Ich werde mich um Deinen Wunsch kümmern - mal sehen, ob er sich umsetzen lässt.

    Übrigens: Wären unsere Sommer noch normale Sommer mit dem typisch mitteleuropäischen, wechselhaften Wetter, würde ich den Buchsbaum-Zünsler nicht als Problem für die Buchsbäume betrachten. Denn wie man sieht, passen sich einige Tierarten an das Raupenangebot dieses Falters an und nutzen es als Nahrung. Über kurz oder lang würde also ein natürliches Gleichgewicht geschaffen. Da die Sommer immer heißer und trockner zu werden scheinen und perfekte Bedingungen für mehrere Generationen des Buchsbaum-Zünslers bieten, dürfte unsere Tierwelt das kaum in den Griff bekommen. Die Anzahl unserer Singvogelarten und der Individuen nimmt stetig ab. Tja, ein menschengemachtes Problem mehr auf der unendlich langen Liste. Mein Rat an alle: Pflanzt keine Buchsbäume mehr und setzt stattdessen auf naturnahe, artenreiche Gärten und Grünanlagen. Tut es für die Insekten, die Vögel. Für euch selbst.

  • #2

    Staaken01 (Dienstag, 04 September 2018 11:11)

    Liebe Marion, ich schaue ja immer noch ab und zu hier vorbei, auch wenn sich nicht mehr regelmäßg was tut. Ja, der Buchsbaumzünsler ist in diesem Sommer in Staaken sehr aktiv. Nachbars Buchsbäume hat es dahin gerafft und an machen Tagen saßen zig Falter an unserer Hauswand. Schön sind sie ja wirklich. Ich würde es übrigens gut finden, wenn man deine Blogartikel abbonnieren könnte.
    LG
    Ein Staakener

  • #1

    Manuela (Montag, 03 September 2018 16:53)

    Hallo Marion, schön, dass du mal wieder einen Artikel geschrieben hast. Nebst aktivierter Kommentarfunktion. Den Schmetterling, den du beschreibst, habe ich in diesem Sommer sehr häufig gesehen. Ich wusste aber nicht, was das ist und war zu faul in die Bücher zu schauen. Nun weiß ich Bescheid. Und mein Nachbar auch. Da hat er nämlich zugeschlagen. Der BB-Zünsler.