Fischland, Darß, Zingst


Am Weststrand auf dem Darß
Am Weststrand auf dem Darß

Selbstverständlich gibt es als erstes ein Bild von der Ostsee, ist ja klar. Aber Fischland - Darß - Zingst - das ist mehr als Ostsee und Strand, insbesondere was den Darß angeht. Denn der besteht vor allem aus Wald.  Und anders als auf Rügen, wo die von der Eiszeit erschaffenen Hügel stets Ausblicke auf das bieten, was kommt, zeigen sich die Schönheit dieser Halbinsel, ihre Dörfer, Strände, Tiere und Pflanzen nicht auf den ersten Blick. Alles will erwandert und erlebt, gesucht und gefunden werden. Auf den Wanderer - ob nun zu Fuß oder mit dem Fahrrad - warten oftmals lange Wege, manchmal sehr lange. Aber jedwede Anstrengung lohnt sich, denn hinter jedem Baum, jeder Biegung am Strand, jeder Dorfstraßenkurve gibt es etwas zu entdecken und zu bestaunen.

An der Kunstscheune bei Wustrow
An der Kunstscheune bei Wustrow

Fischland, Darß und Zingst - die drei Teile der Halbinsel - kommen völlig unterschiedlich daher. Jede für sich mit ihren Eigenheiten. Am Anfang liegt das flache, schmale Fischland. Weitläufige Landschaften aus Wiesen, Feldern, Bodden und Meer, durchbrochen von kleinen Wäldchen und Orten wie Wustrow und Ahrenshoop. Hier bedarf es noch keiner großen Anstrengungen, um einmal von links nach rechts oder umgekehrt zu wandern. Will man von Wustrow nach Ahrenshoop oder noch weiter nach Born und wieder zurück, sieht es schon anders aus. Das Fischland hat außerdem etwas zu bieten, was dem Darß und dem Zingst fehlt: Eine Steilküste, an deren Fuß auch der Fossiliensammler durchaus auf seine Kosten kommen kann.  Der bekannteste Ort ist Ahrenshoop. Touristenmagnet und Künstlerdorf genannt, wobei die Bezeichnung "Dorf" reichlich irreführend ist, hinsichtlich der sich dort präsentierenden Künstler jedoch zutrifft. Ahrenshoop ist groß geworden. Und voll.  Wer diesen Ort aus DDR-Zeiten kennt und ihn lange nicht mehr besucht hat, wird ihn kaum wieder erkennen. Dörflich ist da nichts mehr, finde ich. Und trotz der wundervollen Sonnenuntergänge, die man vom Steilufer aus erleben kann, ist Ahrenshoop nicht der Ort meiner Wahl.  Zu viele Menschen. Zu vornehm. Teuer. Es geht vor allem um Kunst in jeglicher Form von Malerei übers Töpfern bis hin zu Skulpturen aus Holz oder Bronze, selbst geschneiderte Kleidung und was man sonst noch so unter dem Begriff "Kunst" verbuchen kann, ums Sehen und Gesehenwerden. Aber jut. Jeder, wie er es mag.

Bauerngarten
Bauerngarten

Da ist mir Wustrow schon lieber - wie Ahrenshoop zwischen Meer und Bodden gelegen. Beschaulicher. Kleiner. Neben der Kirche befindet sich übrigens eines der besten Restaurants der Halbinsel. Jedenfalls für meinen Geschmack. Die Lage an der sehr stark befahrenen Hauptstraße ist zwar alles andere optimal, aber die kulinarischen Genüsse stellen eine gelungene Entschädigung für Autolärm und flanierendes Publikum dar.  Selbstgebackene Kuchen und Torten, leckere Gerichte mit regionalen, frischen Zutaten - die "Wustrower Scheune" steht für Qualität und Genuss. Kurz dahinter liegt der kleine Wustrower Hafen - ein guter Ausgangspunkt für interessante Wanderungen (der Parkplatz dort ist kostenpflichtig, es gibt aber im Ort zwei gebührenfreie Parkplätze in der Nähe der Hauptstraße - dann muss man eben ein paar Schritte mehr machen). Will man die Landschaft um Wustrow erleben, läuft man am Hafenparkplatz vorbei und biegt dann an der nächsten Kreuzung rechts auf einen stabilen Feldweg ein. Weiter geht es zwischen Bodden (rechts) und Feldern (links) zu einer lauschigen Ansammlung von alten, wunderbaren Bauernhäusern bzw. -höfen, die von farbenprächtigen Bauerngärten umgeben sind. Gärten, die all jene kennen, die ihre Kinderzeit in dörflichem Ambiente verbracht haben. Kunstinteressierten hingegen wird sofort die Kunstscheune ins Auge fallen - übrigens der einzige Ort auf dieser Tour, an dem man außerhalb Wustrows etwas trinken und essen kann (Imbiss). 

Blick zur Wustrower Kirche
Blick zur Wustrower Kirche

Hinter den Häusern folgt man dem Weg, der immer die Nähe zum Bodden hält. Hat man genug, nimmt man einen der links abbiegenden Wege, um nach Wustrow zurückzukehren. Quert man in Wustrow die Hauptstraße, gelangt man an den Ostseestrand und kann am Wasser weiter marschieren. Der Boddenweg führt übrigens bis nach Ahrenshoop und noch weiter, was auch für Radfahrer interessant sein dürfte. Das Gelände ist sehr übersichtlich und an markanten Punkten ausgeschildert. Verlaufen ist schlichtweg unmöglich. Auch weil der Wustrower Kirchturm stets weithin sichtbar ist und als Orientierungspunkt dienen kann. Neben Wasser und Wiesen, ein wenig Wald und Feldern kann der aufmerksame Beobachter viele interessante Tiere und Pflanzen entdecken, zum Beispiel die Waldengelwurz im Schilf - eine alte Heilpflanze, die noch heute genutzt wird, Bartmeisen oder Greifvögel. Im Juni, wenn auf den Feldern massenhaft Kornblumen und Klatschmohn um die Wette blühen, die Bauerngärten in Wustrow und Umgebung in leuchten, ist diese Landschaft einfach nur toll. Was nicht heißen soll, dass sie im Herbst, wenn die Stille Einzug hält und nur vom Rufen der nach Süden ziehenden Kraniche und Gänse unterbrochen wird, weniger schön ist. Nein, auch das Karge, Graue, vom Nebel Verwaschene hat seinen Reiz und lässt ganz besondere, einzigartige Stimmungen aufkommen. 

Im Darßwald
Im Darßwald

Hinter Ahrenshoop beginnt der Darß. Unschwer zu erkennen am Wald, der rechts und links die Straße begleitet und das bis fast nach Prerow. Der Darßwald ist phänomenal. Riesig. Vielfältig. Einmalig. Nach ein paar Metern ist man mit sich und der Natur allein. Und das etliche Kilometer bis man irgendwann am Weststrand ankommt. Kein Autolärm, kein Flugzeug. Abseits der Hauptwege trifft man nur selten andere Menschen. Hier kann man abschalten, Erholung pur. Es ist ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis, nach einer zweistündigen Wanderung aus dem Darßwald heraus auf den Weststrand zu treten, wo so gut wie immer starker Wind weht und das Meer rauscht. Der Waldrand an der Küste ist zerzaust von Sturm und Wasser, ursprünglich und wild, ständigen Veränderungen unterworfen. Die berühmten Windflüchter - vom Sturm einseitig verbogene Einzelbäume - findet man nur hier. Bewunderswert, wie diese Wesen seit Jahrzehnten den Kräften der Natur trotzen.  Darßer "Hauptstadt" und Ausgangspunkt für viele Wanderungen in den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist Prerow mit seiner Seebrücke. Man kann an der Küste den Nordstrand entlang bis zum Nothafen schlendern oder in die andere Richtung nach Zingst. Ganz zu schweigen von den Waldwegen, die nach Born oder zum Weststrand führen, an manchen Stellen kann auch zum Nordstrand queren. Bis zum Nothafen, wo ein absolut sehenswerter Rundwanderweg durch den Nationalpark seinen Anfang nimmt, sind es allerdings 4 bis 5 km - egal, ob man am Nordstrand entlang läuft oder durch den Wald. Wer sich diese Kilometer zu Fuß sparen will, kann mit der Bäderbahn von Prerow aus bis zum Nothafen fahren. Autos sind im Nationalpark nicht erlaubt. Fahrräder müssen am Beginn des Rundwanderwegs abgestellt werden. Im übrigen Nationalparkgebiet ist Fahrradfahren auf dafür ausgewiesenen Wegen erlaubt.

Auf dem Rundwanderweg
Auf dem Rundwanderweg

Der Rundwanderweg vom Nothafen über den Darßer Ort und den Leuchtturm bietet einen einmaligen Einblick in die Natur. Alte und junge Dünen wechseln sich mit Kiefernwäldern und Schilfgebieten ab. Aussichtsplattformen bieten Ausblicke auf die Ostsee und Feuchtgebiete. Ein Teil des Weges führt am Weststrand entlang. Völlig sich selbst überlassen, Natur pur, gesäumt von den berühmten Windflüchtern. Ein Besuch am Weststrand lohnt sich immer - egal zu welcher Jahres- oder Tageszeit. Seeadler, Kreuzotter, Laubfrosch sind Highlights des Gebietes am Rundwanderweg, aber nur selten zu sehen. Viele andere Tiere und Pflanzen sind Standard - man muss nur Augen und Ohren aufsperren. Im Frühjahr zieren unzählige lila-gelb farbene Sand-Stiefmütterchen die Dünen am Beginn des Rundwanderweges, die im Sommer von den blauen Bergsandglöckchen abgelöst werden.

Eine Besonderheit ist die Hirschbrunft. Kapitale Hirsche vor der Kulisse der Ostsee am hellichten Tag - das ist einmalig in Europa. Anders als sonst irgendwo zeigt sich das Rotwild am Rundwanderweg tagsüber. Die Tiere haben gelernt, dass sie in diesem Gebiet nicht bejagt werden, ihnen von Menschen keine Gefahr droht und sind zu ihrem ursprünglichen Verhalten als tagaktive Wesen zurückgekehrt. Ich finde es immer wieder  erstaunlich, dass das Gebiet um den Rundwanderweg trotz der vielen Menschen eine derart reiche Flora und Fauna zu bieten hat. Kaum zu glauben, dass sich die Tiere von den Menschenmassen nicht gestört fühlen.

Am Weststrand
Am Weststrand

Als ich im September 2015 zur Hirschbrunft dort weilte, traute ich teilweise meinen Augen nicht. Besonders am späten Nachmittag wurde der Rundwanderweg von Menschen regelrecht geflutet. Manche rückten mit Handwagen voller Fotoausrüstung an. Andere mit Bierkästen. Traurig auch, wie es an den Morgen danach aussah: Müll allerorten. Trampelpfade abseits der Wege. Und und und. Aber das nur am Rande. Wenn ich auf der Halbinsel weile, wohne ich übrigens immer in Prerow. Nicht nur, weil ein Teil meiner Familie dort lebt, sondern auch weil es als Ausgangspunkt für Wanderungen bestens geeignet ist und alles zu bieten hat, was man für die Versorgung im Urlaub so braucht. Erwähnenswert ist außerdem, dass man von Prerow aus nicht nur in den Darßwald und an die Ostsee starten, sondern sich durch eine Wiesenlandschaft mit unheimlich vielen Vögeln wie Grau- und Silberreihern, Kiebitzen, Limikolen, Gänsen usw. auch auf den Weg nach Wiek oder Born machen kann.  Am Ende der Halbinsel liegt der Zingst, über den ich leider noch nichts berichten kann. Bisher habe ich nur einmal Zeit gefunden, die dort liegenden Sundischen Wiesen zu besuchen. Von daher kommt jetzt an dieser Stelle erst einmal nix. Na ja. Egal, ob im Frühling, Sommer oder Herbst - Fischland, Darß, Zingst sind immer ein Erlebnis, wie man an den Fotos in den Unterrubriken unschwer erkennen kann. Ich wünsche allen, die auf meine Seiten gefunden haben, viel Freude beim Stöbern:

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Das g-Gestell

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Novembereise

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Am Weststrand

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Zwischen Prerow und Wiek

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