Die Schwanzmeise (Aegithalos caudatus)


Schwanzmeise  (Aegithalos caudatus), 23.10.2015, Berlin/Staaken
Schwanzmeise (Aegithalos caudatus), 23.10.2015, Berlin/Staaken

Tjaaa. Die Schwanzmeisen. Mit denen ist das ja so eine Sache. Erstens: Es sind gar keine Meisen wie Blaumeise, Tannenmeise und Co. Sie gehören zu einer eigenen Familie. Der, der Schwanzmeisen eben. Zweitens: In der kalten Jahreszeit gibt es bei uns neben den Einheimischen auch Gäste aus dem Nordosten, die bei uns den Winter verbringen. Daraus resultiert das Problem mit den Weißköpfen. Für mich ist es jedenfalls ein Problem.

Schwanzmeise (Aegithalos caudatus), 24.05.2016, Berlin/Staaken
Schwanzmeise (Aegithalos caudatus), 24.05.2016, Berlin/Staaken

In manchen Vogelbüchern wird nämlich lapidar erklärt, dass man die geografischen Unterarten der Schwanzmeisen anhand ihrer Kopffarbe bestimmen kann. Einheimische haben dunkle Köpfe, Gäste haben weiße Köpfe. Das klingt einfach und deshalb war ich unheimlich stolz, nordöstliche Schwanzmeisen entdeckt und fotografiert zu haben. Ja, das hat mich echt gefreut. Und ich war mir sowas von sicher. Verdammt sicher. Leider währten weder Stolz noch Freude ausgesprochen lange. Denn je intensiver ich mich mit den Schwanzmeisen beschäftigte, um so mehr wurde mir klar, dass auch unter den Einheimischen Weißköpfe vorkommen und die Unterscheidungsmerkmale sehr subtil sein können. Fazit: Schwanzmeisen werden in vier Typen eingeteilt, deren Unterscheidung sehr schwierig sein kann. Bei der Bestimmung spielen auch Dinge wie die Farbe des Bauch- und Flankengefieders oder die Abgrenzung am Nacken eine Rolle. Grundsätzlich muss man sehr genau hinschauen, um den jeweilig entdeckten Vogel einem Typen zuordnen zu können. Außerdem muss ich den oben erwähnten Vogelbestimmungsbüchern einen Tadel erteilen, denn dunkelköpfige Vögel gibt es überhaupt nicht. Es geht vielmehr um Vögel mit mehr oder weniger starken, dunklen Gefiederstreifen am Kopf. Nachdem ich mein Fotos der Weißköpfe stolz in einem ornitholischen Forum präsentiert hatte, klärte mich außerdem ein Fachmann ausgesprochen nett und umfangreich darüber auf, warum und wieso ich falsch lag. Dafür bin ich immer noch sehr dankbar.  Aus Zeitmangel bin ich leider noch nicht dazu gekommen, meine Fotos dahingehend zu durchforsten, welche Typen ich denn eigentlich abgelichtet habe. Aber das wird im kommenden Winter eines meiner ersten Projekte an Schlechtwettertagen sein. Bis dahin sind hier halt "nur" Schwanzmeisen zu sehen, was ja durchaus richtig ist.

Okay, wie dem auch sei. Ob nun Wintergast oder Dauerbewohner - Schwanzmeisen sind hübsch. Schwanzmeisen sind unheimlich beweglich. Schwanzmeisen schwatzen viel.  Sie sind familiär und sozial, denn sie verbringen den gesamten Winter als Familienverband. Und nicht nur das: Bis zu 12 Verwandte des Männchens helfen bei der Aufzucht der Jungen. Das habe ich letztens in einer Doku über die Estremadura gesehen. Alle Achtung.

Schwanzmeise (Aegithalos caudatus) beim Nestbau, 12.03.2017, Berlin/Staaken
Schwanzmeise (Aegithalos caudatus) beim Nestbau, 12.03.2017, Berlin/Staaken

Mehr Schwanz als Meise klettern sie auf Nahrungssuche im höchsten und dünnsten Geäst umher, hängen oft kopfüber von den Zweigen - knuffige Akrobaten mit wunderschönen Knopfaugen. Den langen Schwanz, dem sie ihren Namen verdanken, besitzen sie selbstverständlich nicht einfach nur so. Er dient zum Ausbalancieren des Gleichgewichts, wenn sie in den Bäumen herumturnen.  Aber - und das sei gleich gesagt - das Fotografieren dieser kleinen Federbausche gestaltet sich ähnlich schwierig wie die Bestimmung. Zwar sind sie wenig scheu und tauchen auch regelmäßig an den Meisenknödeln der Winterfütterung auf.  Doch: Sie. Sitzen. Niemals. Still.

Nicht zuletzt bauen sie eines der kunstvollsten Nester unserer Vogelwelt. Unermüdlich schaffen die kleinen Vögel Moos für die Innenauskleidung und verschiedenenfarbige Flechten für die Außenverkleidung des Nestes heran. Die Fähigkeit, mit ihrem winzigen Schnabel ein derart filigranes und doch haltbares Nest zu bauen, hat mich sehr beeindruckt.

 

Es ist mir übrigens erst ein einziges Mal gelungen, ein Schwanzmeisennest mit eigenen Augen zu sehen, obwohl ich bereits seit Jahren danach Ausschau halte. Zumindest ein halb fertiges Nest habe ich im März 2017 entdeckt, zu dem mich die fleißigen Vögel durch das Nistmaterial in ihrem Schnäbeln geführt haben. Wenn man sich anschaut, wie perfekt sich solch ein Nest an die Farben sowie Strukturen der näheren Umgebung anpasst, ist meiner Wenigkeit schon klar, warum es so schwer zu entdecken ist.

 

Neben den Schwanzmeisen-Fotos auf dieser Seite gibt es weitere vom Nestbau sowie vom fertigen Nest  in meinem Blogartikel

"Endlich gefunden  - die ganze Geschichte über ein Schwanzmeisennest".