Verwandlungskünstler - Schmetterlinge (Lepidoptera)


Sich paarende Hufeisenklee-Widderchen (Zygaena transalpina)
Sich paarende Hufeisenklee-Widderchen (Zygaena transalpina)

Die Schmetterlinge. Hm . Also, um es gleich zu sagen: Was diese wunderschönen Wesen angeht, bin ich eine beständig Lernende. Selbstverständlich weiß ich, was ein Bläuling ist oder ein Widderchen. Die Namen der häufigsten Edelfalter sind mir geläufig, einige der seltenen Arten ebenfalls. Basiswissen halt. Nicht mehr und nicht weniger. Deshalb gibt es in den Unterrubriken über manche Falter keinen Text. Es ist so, dass ich mir das Wissen um einen mir unbekannten Schmetterling regelrecht erkämpfen muss. Ich wälze Bestimmungsbücher, recherchiere im Internet ... und gerate allzu oft an meine Grenzen. Dennoch nehmen die Rubriken stetig zu, weshalb ich für alle Interessieren eine "Artenliste Schmetterlinge" angelegt habe, die einen schnellen Überblick über das hier Vorhandene ermöglicht. Am Ende dieses Textes finden Sie außerdem eine Fotogalerie, die auf die folgenden Seiten führt.

Mittlerer Weinschwärmer (Deilephila elpenor)
Mittlerer Weinschwärmer (Deilephila elpenor)

Natürlich würde ich nur zu gern jeden Falter auf Anhieb bestimmen können. Aber ein Tag hat nur 24 Stunden, ich bin berufstätig, interessiere mich für alles, was mit der Natur zusammenhängt - tja. Man kann nicht allem hunderprozentig gerecht werden. Glücklicher Weise bin ich sehr wissbegierig (ich empfinde das jedenfalls als Glück) und betrachte das stetige Dazulernen als Hobby. Von daher würde ich mich über jeden Hinweis, jede Berichtigung überaus freuen, denn ich bin mir wirklich nicht sicher, ob meine Bestimmungen in jedem Fall richtig sind. Unter der E-Mail-Adresse marion_haufe@t-online.de kann alles hinterlassen werden, was Schmetterlinge und insbesondere meine Seiten über sie betrifft oder sonst so gesagt werden muss.

Schmetterlinge beflügeln seit jeher die Phantasie der Menschen und das nicht nur, weil sie Flügel tragen. Es ist die Verbindung von Schönheit und Mysterium, welches den Schmetterling immer wieder in unsere Gedankenwelt zaubert. Wer kennt sie nicht, die berühmten Schmetterlinge im Bauch als Synonym fürs Verliebtsein, dessen Wieso und Warum ein Geheimnis für sich ist. Zarte Feen und Elfen, die mit filigranen Schmetterlingsflügeln versehen sind, begleiten unsere Kindheit und versetzen uns in die wunderbare Welt der Märchen, des Unerklärlichen. Mit dem Schmetterling verbinden wir Glücksgefühle und Freude. Er lässt uns träumen.

Braune Tageule (Euclidia glyphica)
Braune Tageule (Euclidia glyphica)

Für die meisten Menschen ist er DAS Symbol des Sommers, einer Jahreszeit, die wir besonders mögen, in der wir uns wohl fühlen. Dieses flatternde, elegante Wesen mit seinen schillernden Farben sowie bunten Mustern versetzt uns genauso in Erstaunen wie sein geheimnisvoller Lebenszyklus. Aus einem winzigen Ei wird eine gefräßige Raupe, die irgendwann in einer harten Hülle namens "Puppe" verschwindet. Und aus eben dieser, meist unansehnlichen oder seltsam wirkenden Puppe schlüpft nach Wochen oder Monaten ein fertiger Schmetterling (Imago). Was in der Puppe konkret passiert, wie die Umwandlung der Raupe in den Falter genau abläuft, weiß bis heute kein Mensch. Nur so viel, dass sich die Raupe verflüssigt und sich alle Zellen neu sortieren. Welch ein Wunderwerk der Natur! Die Metamorphose der Raupe zum Schmetterling ist eines der letzten Geheimnisse auf unserer Erde.

Wir Nichtfachleute haben meist jene Falter vor Augen, die uns oft begegnen und wegen ihrer Größe und/oder Farbe auffallen. Tagpfauenauge, Bläulinge, Kohlweißling - jeder kennt sie, hat sie schon einmal gesehen. Distelfalter, Admiral oder Schachbrett - auch diese drei sind den meisten geläufig. Geht es darum, einen Bläuling genau zu bestimmen, sieht es schon anders aus. Ganz zu schweigen von den vielen Eulenfaltern, Motten, Spannern, Schwärmern oder Bärenspinnern ... Weltweit gibt es um die 160.000 Arten; allein in Europa um die 4.000. Und nicht zuletzt sind Schmetterling mitnichten nur im Sommer und am Tage unterwegs; sie fliegen zu jeder Jahres- und Tageszeit. Tja.

Rhabarber-Zünsler (Oncocera semirubella)
Rhabarber-Zünsler (Oncocera semirubella)

Interessant ist außerdem, dass die lateinische Bezeichnung für Schmetterling "Lepidoptera" übersetzt "Schuppenflügler" lautet. Denn die oft farbenfrohen Flügel mit ihren überaus kreativen Zeichnungen bestehen tatsächlich aus Schuppen. Schaut man sich einen Schmetterling an - egal, ob es sich um eine winzige Motte oder einen großen Edelfalter handelt - wirken sie sehr zart und zerbrechlich. Tatsächlich sind sie das auch. Um so großartiger sind ihre Fähigkeiten. Admiral, Taubenschwänzchen und Distelfalter oder Gamma-Eule sind beispielsweise Wanderfalter. Sie fliegen tausende Kilometer dem Sommer hinterher, überwinden sogar die Alpen. Andere wie der Zitronenfalter können den Winter eingefroren überleben, dank Frostschutzmittel im Blut. Schmetterlinge sind außerdem Meister der Tarnung. Ihre Fähigkeit zur Mimikry lässt sie Gefährlichkeit oder Giftigkeit perfekt vortäuschen. Ein Beispiel dafür sind die Augen auf den Flügeln des Tagpfauenauges. Schmetterlinge tun häufig so, als seien sie etwas anderes. Der Vogelschmeißfalter gibt sich zum Beispiel als Hinterlassenschaft eines Vogels (Name!) aus und fällt mit seinen schwarz-weißen Flügeln auf einem Blatt sitzend nur dem auf, der ganz genau hinschaut. Mimikry soll Fressfeinde abschrecken, Tarnung unsichtbar machen. Manchmal dient sie der sicherern Fortpflanzung. Die Raupen des Dunklen Wiesenknopf-Bläulings lassen sich von Ameisen in ihre Baue tragen, in denen sie überwintern und sich vom Ameisennachwuchs ernähren. Möglich macht dies die Absonderung bestimmter Stoffe, die es den Ameisen unmöglich macht, die Raupen als Feinde zu erkennen. Auf der anderen Seite haben Schmetterlinge unendlich viele Feinde: Sie werden von Spinnen, Vögeln, Säugetieren und Reptilien verspeist. Verschiedene Wespenarten legen ihre Eier in Schmettterlingsraupen, um den eigenen Nachwuchs parasitär aufwachsen zu lassen. Nicht zuletzt schaden wir Zweibeiner ihnen am meisten, denn die Schönheiten brauchen nicht nur Blüten und Mineralien, sondern vor allem artenreiche, abwechslungsreiche Landschaften mit unterschiedlichsten Lebensräumen. Nicht selten sind ihre Raupen auf eine bestimmte Pflanze spezialisiert.

Ein Admiral (Vanessa atalante) im Netz einer Wespenspinne (Argiope bruennichi)
Ein Admiral (Vanessa atalante) im Netz einer Wespenspinne (Argiope bruennichi)

Eine arten- und biotopreiche Umwelt ist also die Grundlage für die bunte Schmetterlingswelt. Da diese Voraussetzungen immer seltener gegeben sind, verschwinden immer mehr Falter. Sowohl unsere natürlichen Landschaften als auch unsere landwirtschaftlichen verarmen zunehmend. In den letzten Jahren ist es außerdem Sitte geworden, Staudenfluren am Rand von Waldwegen mehrmals jährlich zu mähen, damit Jäger oder Forstarbeiter bequem in die Wälder hineinfahren können. Mit den Staudenfluren, die auch für den Menschen eine Augenweide sind, nimmt man dem Nachwuchs von Landkärtchen und Kaisermantel zum Beispiel die Lebensgrundlage. Monokulturen und Pestizideinsatz tun das Übrige und führen zu öden Landstrichen, in welchen Tiere und Pflanzen kaum noch ein Auskommen haben. Das Gleiche gilt übrigens auch für unsere Gärten, in die immer mehr exotische Pflanzen einziehen. Pflanzen, die für unsere einheimische Fauna wertlos sind. Gefüllte Blüten sind hübsch anzusehen, aber sie haben weder Schmetterlingen noch anderen Lebewesen etwas zu bieten. Der gepflegte, unkrautfreie Rasen mag der Stolz von so manchem Gartenbesitzer sein und das blühende gelbe Rapsfeld vor blauem Himmel ein beliebtes Fotomotiv, aber sie stellen nichts weiter als nahezu leblose Wüsten dar - nur sehr wenige Tierarten können dort überleben. An dieser Stelle möchte ich noch ein paar Worte über den bekannten "Schmetterlingsflieder" loswerden. Ja, es ist richtig, dass dieses Gewächs vielen Faltern Nahrung bietet. Admiral, Tagpfauenauge, Distelfalter oder Kohlweißling finden sich dort regelmäßig ein und können - auch von Kindern - sehr gut beobachtet werden. Für die Falter ist der Chinesische Flieder also durchaus eine Bereicherung. Aber er trägt nichts zum Erhalt der Arten bei, weil er keine Nahrungspflanze für die Raupen ist.

Blauer Eichenzipfelfalter (Neozephyrus quercus)
Blauer Eichenzipfelfalter (Neozephyrus quercus)

Viel wichtiger als das Setzen eines Schmetterlingsflieders ist eine artenreiche Bepflanzung des Gartens mit einheimischen Stauden, Kräutern und Gehölzen sowie das Zulassen einer Brennesselecke. Es gibt diverse Internetseiten, auf denen man sich über geeignete Pflanzen informieren kann. Naturbewusste Gärtnereien informieren ebenfalls über eine schmetterlingsfreundliche Gestaltung eines Gartens. Von daher kann jeder, der ein Stück Grün sein eigen nennt, über die Pflanzenwahl und die  Gartengestaltung unendlich viel für den Schmetterling und alle anderen Lebewesen tun, wenn er denn möchte. Ein artenreicher Garten und der "Mut", auch sogenannten Unkräutern wie der Brennessel, verschiedenen Gräsern oder der Schafgarbe Raum zu lassen, führt außerdem dazu, dass sich ein Pestizideinsatz vermeiden lässt. Wer schon einmal das Ökodorf Brodowin und seine Umgebung besucht hat, wird mit Erstaunen zur Kenntnis genommen haben, wie abwechslungsreich eine Landschaft ist, wie artenreich Feldraine und Wiesen sind, wenn man auf Chemie verzichtet.

 

Es ist übrigens weder schwer noch teuer, Lebensräume für Falter zu schaffen bzw. zu erhalten und so dafür zu sorgen, dass unsere Kinder und Kindeskinder Schmetterlinge nicht nur im Bauch haben werden, sondern auf Wiesen, in Gärten oder lichten Wäldern erleben können. Man muss es nur tun. In diesem Sinne:

 

"Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling, Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muß man auch haben."

Hans Christian Andersen (1805 - 1875)

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Artenliste

Artenliste Schmetterlinge

Edelfalter

Edelfalter

Bläulinge

Bläulinge

Eulenfalter

Eulenfalter

Dickkopffalter

Dickkopffalter

Ritterfalter

Ritterfalter