Bernstein im Wald - Goldgelbe Zitterlinge (Tremella mesenterica)

Goldgelber Zitterling (Tremella mesenterica)
Goldgelber Zitterling (Tremella mesenterica)

Bernstein im Wald? Ja. Genau. Aber es geht mitnichten um das fossile Harz, nach dem man sich am Strand den Hals verrenkt und das im baltischen Raum tatsächlich im Wald gefunden werden kann, sondern um bernsteingelbe Pilze. Denjenigen, die in den letzten Wochen am Staakener Hahneberg unterwegs waren, sind sie vielleicht ins Auge gefallen: Gelbe Farbtupfer auf den Ästen von Eichen oder auf herabgefallenen Zweigen, die weithin sichtbar leuchten. Sie haben Goldgelbe Zitterlinge (Tremella mesenterica) entdeckt, die neben den Samtfuß-Rüblingen die farbenprächtigsten Pilze des Winters sind. Das finde ich jedenfalls. Und es bereitet mir immer wieder aufs Neue Freude, sie zu entdecken und zu betrachten. Manchmal thront nur ein einziger auf einem Ast. An anderen Stellen bilden sie Gruppen und wachsen nebeneinander. Von Weitem sieht es wirklich so aus, als hätte jemand goldgelbe Bernsteine auf die Zweige gelegt. Geht man näher heran, fällt einem die gewundene, hirnartige Struktur der Pilze auf. Beim jungen Pilz liegt alles fest und dicht beeinander. Blumenartig strahlt er meist aufrecht auf seinem Ast. Je älter er wird, um so mehr fällt die Struktur auseinander und der Pilz beginnt, nach unten zu verlaufen. Mit zunehmendem Alter verblasst außerdem seine Farbe - das Gelb verschwindet nach und nach. Übrig bleibt eine Masse, die mit der anfangs gallertartigen Konsistenz des Pilzes nichts mehr gemeinsam hat. Man blickt auf einen unansehnlichen, bräunlich-grauen Schleim, der am Holz hinunterläuft oder -tropft.

Alte und junge Goldgelbe Zitterlinge (Tremella mesenterica)
Alte und junge Goldgelbe Zitterlinge (Tremella mesenterica)

Goldgelbe Zitterlinge lieben die Nässe und die Kälte, mögen aber keinen Frost. Bevorzugt lassen sie sich in den Herbst- und Wintermonaten blicken, können jedoch das ganze Jahr über erscheinen. Folgt auf ihr Erscheinen eine längere Trockenperiode schrumpfen die Pilze auf ein Minimum zusammen, so dass man sie kaum noch erkennen kann. Wird es wieder feuchter, regenerieren sie sich wieder.  Aus dem Vorgesagten über die Witterungsbedingungen folgt, dass in den zurückliegenden Wochen perfektes Wetter für den Bernstein des Waldes herrschte. Am Hahneberg besiedelten die Goldgelben Zitterlinge ganze Zweige und zauberten leuchtende Farbtupfer in die winterkarge Landschaft. Gesagt sei, dass die Pilze nicht nur leuchtend gelb gefärbt sind. Es kommen daneben orangefarbene oder ins Weißliche gehende Exemplare vor. Manche wirken nahezu durchsichtig. Wichtige Erkennungsmerkmale sind stets die gelben Farbtöne sowie seine Bindung an Laubbäume. Bei ähnlich aussehenden Pilzen, die komplett weiß bzw. völlig durchsichtig sind, handelt es sich um den sogenannten Kristall-Zitterling. Bei denen, die auf Nadelholz wachsen um die Riesen-Gallertträne. Goldgelbe Zitterlinge sind dort, wo ihnen die Bedingungen zusagen, häufige Pilze. Wenn Sie also am Hahneberg, in Wäldern oder Parkanlagen unterwegs sind, haben Sie beste Chancen, diese eigenartigen Wesen zu entdecken. Wo es feucht und schattig ist und Laubbäume mit toten Ästen gedeihen, lohnt es sich, nach den Pilzen Ausschau zu halten. Richten Sie Ihren Blick auf die untersten Äste der Laubbäume oder auf den Boden, falls dort viele abgebrochene, tote  Äste liegen.

Goldgelbe Zitterlinge (Tremella mesenterica) auf herabgefallenem Totholz am Hahneberg
Goldgelbe Zitterlinge (Tremella mesenterica) auf herabgefallenem Totholz am Hahneberg

Am Hahneberg habe ich die wunderschönen Pilze bisher ausnahmslos an Eichen gefunden. In Laub- oder Laubmischwäldern und auf dem Darß hingegen außerdem an Rotbuche und Hasel. Goldgelbe Zitterlinge wachsen auf Ästen, die unter der Rinde bereits von Pilzen besiedelt sind, nämlich von flächig wachsenden, holzzersetzenden Zystrindenpilzen. Sie stellen die Wirtspilze für den parasitisch lebenden Goldgelben Zitterling dar. Die Größe der Zitterlinge schwankt enorm. Von ca. 1 Zentimetern kleinen Winzlingen bis hin zu Exemplaren von ungefähr 7 Zentimetern Länge habe ich schon alles gefunden. Mal sind sie von eher rundlicher Figur, mal länglich, mal aufrecht, mal nach unten gerichtet, mal umwachsen sie nahezu den gesamten Ast. Soll heißen: DEN Goldgelben Zitterling gibt es nicht. Jeder ist ein Unikat. Keiner gleicht dem anderen. Aber egal, ob klein oder groß, eher lang oder eher breit - immer sind sie ein faszinierender Anblick, ein Wunder der Natur wie alles Lebendige auf dieser Erde. Was die Genießbarkeit und den Speisewert der Goldgelben Zitterlinge angeht, so bitte ich darum, dass sich jeder Interessierte darüber selbst informieren möge, da die Angaben dazu sehr unterschiedlich sind. Nur in einem sind sich alle einig, nämlich dass er ungiftig ist. Erwähnt sei noch, dass der Bernstein des Waldes inzwischen in den Fokus der Wissenschaft gerückt ist und einige seiner Inhaltstoffe im medizinischen Bereich von Belang sind. Darauf näher einzugehen, würde an dieser Stelle allerdings zu weit führen. Sooo. Zum Abschluss gibt es noch reichlich Fotos. Vom Bernstein des Waldes ... dem Goldgelben Zitterling.

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Kommentare: 4
  • #1

    Staakener (Montag, 04 Januar 2021 10:59)

    Hallo Marion, erst einmal wünsche ich dir ein gesundes neues Jahr. Danke, dass du diese glibschigen Dinger hier zeigst. Ich habe sie in letzter Zeit oft gesehe, wußte abernicht, was das ist.

  • #2

    muscaria (Montag, 04 Januar 2021 16:56)

    Mensch, Marion, schön, dass du mal wieder was über Pilze gemacht hast. Dass du überhaupt mal wieder was gemacht hast.
    Bleib gesund und hab ein gutes neues Jahr. Ich hoffe, du hast in diesem Jahr mehr Zeit für deine Homepage.
    LG

  • #3

    Ulrich (Sonntag, 31 Januar 2021 20:44)

    Das sind ja interessante Glibberdinger. Ich hab die auch schon gesehen. Aber keine Ahnung, was das ist. Wirklich interessant.

  • #4

    0815 (Mittwoch, 10 Februar 2021 13:02)

    das gefällt mir besser als die weiden. die pilze sind wirklich schön anzusehen. aber jetzt ist es wahrscheinlich zu klalt.